Baden-Württemberg hat neben seinen großen Städten ein dichtes Netz an Kleinstädten, die oft mehr zu bieten haben als erwartet. Ob am Bodensee, im Schwarzwald oder auf der Schwäbischen Alb - viele dieser Orte lassen sich gut mit einem Tagesausflug oder einem Wochenendtrip kombinieren. Hier sind die 15 schönsten.
1. Bad Säckingen

Die Holzbrücke in Bad Säckingen ist mit 203,7 Metern die längste überdachte Holzbrücke Europas - knapp vor der Kapellbrücke in Luzern (202,9 m). Sie überspannt den Rhein und verbindet Deutschland mit der Gemeinde Stein in der Schweiz. Mitten auf der Brücke markiert eine Linie die Staatsgrenze, was den beliebten Spaß ermöglicht, gleichzeitig in zwei Ländern zu stehen. Urkundlich erwähnt ist die Brücke seit 1272, wurde aber mehrfach durch Hochwasser und Kriege zerstört und wieder aufgebaut.
Gleich daneben steht das barocke Fridolinsmünster mit seinen markanten Türmen, das das historische Zentrum prägt. Die Altstadt selbst ist kompakt und zu Fuß in einer Stunde gut erkundbar. Bad Säckingen nennt sich auch "Trompeterstadt" - der Bezug geht auf Joseph Victor von Scheffels Versepos "Der Trompeter von Säkkingen" zurück, das hier spielt.
2. Bad Mergentheim

Bad Mergentheim liegt im Taubertal und war von 1525 bis 1809 Residenz der Hochmeister des Deutschen Ordens - eine der längsten Ordenspräsenzen in einer deutschen Stadt. Das Residenzschloss im Zentrum ist der direkte Zeuge dieser Geschichte. Führungen durch die Prunkappartements zeigen, wie sich die Anlage über mehrere Jahrhunderte verändert hat.
Der weitläufige Schlosspark mit Wasserläufen und alten Baumbeständen liegt direkt angrenzend. Bad Mergentheim ist außerdem eine anerkannte Kurstadt mit Mineralquellen - der Wildpark Bad Mergentheim am Stadtrand zählt zu den besucherstärksten in Süddeutschland und ist besonders mit Kindern einen Abstecher wert.
3. Meersburg

Meersburg liegt auf einem Steilhang direkt über dem Bodensee - von der Terrasse des Neuen Schlosses fällt das Gelände fast senkrecht zum Hafen ab, was einen der spektakulärsten Aussichtspunkte am Bodensee ergibt. Die mittelalterliche Burg Meersburg gilt als älteste noch bewohnte Burg Deutschlands. Ihr Kernbau stammt aus dem 7. Jahrhundert. Die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff lebte ihre letzten Lebensjahre hier und starb 1848 in Meersburg.
Direkt daneben steht das Neue Schloss, das zwischen 1710 und 1750 als Residenz der Fürstbischöfe von Konstanz erbaut wurde. Die historische Altstadt mit ihren engen Gassen und Treppen zieht sich den Hang hinunter bis zum Hafen. Wein aus Meersburg gibt es direkt in der Stadt - die Staatsweingüter Baden betreiben dort eine der ältesten Weinlagen am Bodensee.
Die beste Stadtführung in Meersburg:
Meersburg: Öffentliche Tour mit Weinverkostung
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4. Donaueschingen

Donaueschingen gilt als symbolischer Ursprungsort der Donau. Im Schlosspark der Fürsten zu Fürstenberg liegt die sogenannte Donauquelle - eine gefasste Karstquelle, die seit Jahrhunderten als Beginn des Flusses gilt. Geografisch entsteht die Donau als Fluss rund 1,5 km östlich, wo Breg und Brigach zusammenfließen ("Brigach und Breg bringen die Donau zuweg"). Von diesem Zusammenfluss aus sind es 2.811 km bis zur Mündung ins Schwarze Meer - die Donau ist damit der zweitlängste Fluss Europas.
Beide Sehenswürdigkeiten - die symbolische Donauquelle im Schlosspark und der renaturierte Zusammenfluss von Breg und Brigach - liegen zu Fuß bequem voneinander entfernt. Die Innenstadt ist kompakt und lädt zu einem kurzen Stadtrundgang ein.
5. Blaubeuren

Der Blautopf in Blaubeuren zählt zu den bekanntesten Karstquellen Deutschlands. Die charakteristische tiefblaue Farbe entsteht durch im Wasser gelöstes Kalziumkarbonat, das das Licht streut. Das Wasser ist ganzjährig etwa 9°C kalt, und der Topf selbst ist bis zu 21 Meter tief. Taucher und Forscher haben ein ausgedehntes Höhlensystem darunter entdeckt, das noch nicht vollständig vermessen ist.
Direkt am Blautopf liegt das Kloster Blaubeuren, 1085 gegründet und eines der gut erhaltenen Beispiele für ein mittelalterliches Benediktinerkloster in Baden-Württemberg. Die kleine Klosterkirche mit ihrem spätgotischen Hochaltar ist kostenlos zugänglich. Die Altstadt dahinter ist überschaubar und in etwa einer Stunde zu Fuß erkundet.
6. Schiltach

Schiltach brannte 1533 und 1590 nieder - das erklärt, warum die gesamte Altstadt aus Fachwerkhäusern des 16. und 17. Jahrhunderts besteht und damit ungewöhnlich geschlossen und einheitlich wirkt. Die Stadt liegt am Zusammenfluss von Schiltach und Kinzig, was früher ihre wirtschaftliche Bedeutung als Flößer- und Gerberstadt begründete.
Der Marktplatz mit seinen unterschiedlich schiefen Fachwerkhäusern ist das Herzstück der Altstadt. Das Gerberei-Museum in einem historischen Gewerbebau erzählt von dieser Vergangenheit. Schiltach ist eines der am besten erhaltenen Fachwerkensemble im Schwarzwald und ein lohnenswertes Ziel, das vom Tourismus noch nicht überlaufen ist.
7. Radolfzell am Bodensee

Radolfzell liegt am westlichen Ufer des Bodensees, dort wo der See in Richtung Rhein übergeht. Das Münster Unserer Lieben Frau am Marktplatz ist das Stadtdenkmal, bekannt vor allem für die sogenannten "Radolfzeller Hausherren" - drei mittelalterliche Heiligenfiguren, deren Verehrung das Stadtfest "Hausherrenfest" begründet hat.
Direkt von der Altstadt aus erreichst du zu Fuß die Halbinsel Mettnau: ein Naturschutzgebiet mit ruhigen Wegen und einem Moorbad, das als Heilbad anerkannt ist. Die Halbinsel ist außerdem ein bekannter Vogelzug-Beobachtungspunkt mit einer Beringungsstation. Der Aussichtsturm auf der Mettnau gibt dir einen weiten Blick über den Untersee und bei klarem Wetter bis zu den Alpen.
8. Rottenburg am Neckar

Rottenburg ist die kleinste Bischofsstadt Deutschlands: Rund 45.000 Einwohner, aber Sitz der Diözese Rottenburg-Stuttgart seit ihrer Gründung 1821 - einer der größten katholischen Diözesen in Deutschland nach Fläche. Der Dom St. Martin am Marktplatz ist entsprechend repräsentativ und der höchste Punkt der historischen Innenstadt.
Unter den Füßen liegt buchstäblich eine weitere Geschichte: Rottenburg war unter dem Namen Sumelocenna ein bedeutendes römisches Verwaltungszentrum. Das Stadtmuseum zeigt Fundstücke aus Ausgrabungen, die zeigen, wie dicht das Stadtgebiet besiedelt war. Ein Spaziergang entlang des Neckars am südlichen Stadtrand ist der ruhigste Teil eines Besuchs.
9. Freudenstadt

Der Marktplatz in Freudenstadt ist mit rund 216 × 216 Metern einer der größten Deutschlands. 1599 ließ Herzog Friedrich I. von Württemberg ihn als zentrales Element einer Planstadt anlegen - der gesamte Stadtgrundriss folgt einem Schachbrettmuster. Die Arkaden um den Platz schützen bei Regen und sind typisch für das Stadtbild.
Direkt am Platz steht die Stadtkirche mit ihrer Winkelhakenform: Schiff und Querhaus bilden ein L, was architektonisch in Deutschland einmalig ist. Vom Marktplatz aus bist du in wenigen Minuten im Schwarzwald - mehrere Wanderwege beginnen am Stadtrand. Der Kniebisweg und der Westweg führen durch das umliegende Waldgebiet, beide sind gut ausgeschildert.
10. Weinheim an der Bergstraße

Weinheim wird "Zwei-Burgen-Stadt" genannt - Windeck und Wachenburg liegen beide oberhalb der Altstadt und sind zu Fuß erreichbar. Der Marktplatz mit seinen Fachwerkhäusern und Restaurants ist das Zentrum einer kompakten, gut erhaltenen Innenstadt.
Direkt neben dem Schlosspark liegt der Exotenwald: ein Arboretum mit über 200-jährigen Bäumen aus aller Welt, das zu den ältesten seiner Art in Deutschland zählt. Darunter eine über 300 Jahre alte Zeder und mehrere Baumarten, die sonst nicht in Mitteleuropa wachsen. Der Schlosspark selbst ist kostenlos zugänglich.
11. Calw

Calw ist als Geburtsstadt von Hermann Hesse bekannt - er wurde 1877 hier geboren und hat die Stadt in mehreren Werken beschrieben. Das Hermann-Hesse-Museum im Geburtshaus gibt einen guten Überblick über sein Leben und Werk (Eintritt ca. 5 €). Direkt an der Nagold gelegen hat die Altstadt einen entspannten Charakter mit gut erhaltenen Fachwerkhäusern und historischen Brücken.
Rund 3 Kilometer außerhalb liegt das ehemalige Kloster Hirsau, im 11. Jahrhundert gegründet und zeitweise das bedeutendste Kloster nördlich der Alpen. Die erhaltenen Ruinen des Kreuzgangs und der Kirche sind beeindruckend und täglich kostenlos zugänglich.
12. Ellwangen

Das Schloss ob Ellwangen wurde 1353 erbaut und in den folgenden Jahrhunderten barock ausgebaut - es thront heute gut sichtbar über der Stadt und beherbergt ein Museum zur Regional- und Schlossgeschichte. Von der Aussichtsplattform hast du einen freien Blick über die Dächer und die Jagst-Ebene dahinter.
Im Zentrum steht die Stiftsbasilika St. Vitus, deren Grundmauern ins 12. Jahrhundert zurückreichen. Sie ist eine der besser erhaltenen romanischen Stiftskirchen in Württemberg. Der Marktplatz mit seiner Mariensäule aus dem 17. Jahrhundert ist der ruhige Treffpunkt der Stadt, flankiert von historischen Gebäuden.
13. Tettnang

Tettnang liegt inmitten eines der wichtigsten Hopfenanbaugebiete Deutschlands: Rund 1.500 Hektar Hopfengärten umgeben die Stadt und beliefern Brauereien in der ganzen Region. Die Ernte im September zieht Besucher aus der gesamten Bodenseeregion an.
Das Neue Schloss im Stadtzentrum wurde zwischen 1712 und 1720 als Residenz der Grafen von Montfort erbaut. Es gilt als eines der schönsten Barockschlösser in Oberschwaben und zeigt prachtvoll erhaltene Stuckdecken und Fresken. Führungen starten mehrmals täglich. Das ältere Alte Schloss daneben beherbergt heute das Städtische Heimatmuseum.
14. Münsingen

Münsingen liegt im Herzen des Biosphärengebiets Schwäbische Alb. Das Besondere: Der ehemalige Truppenübungsplatz direkt vor der Stadt umfasst rund 7.000 Hektar und wurde nach dem Ende der militärischen Nutzung zum Naturschutzgebiet. Die offenen Wacholderheiden und stillen Waldwege sind heute per Rad oder zu Fuß zugänglich.
Am Rand des Geländes liegt das Albgut - ein historisches Gutshof-Areal mit Hofladen, Handwerksbetrieben und saisonalen Veranstaltungen. Münsingen hat kein Schloss und keine bekannte Burg, dafür 7.000 Hektar Naturschutzgebiet direkt vor der Stadtgrenze - das ist in dieser Dichte im südwestdeutschen Raum einzigartig.
15. Waldkirch

Waldkirch ist seit dem 18. Jahrhundert Zentrum des deutschen Orgel- und Drehorgelbaus und bis heute Weltmarktführer bei mechanischen Musikinstrumenten. Mehrere Betriebe stellen hier noch aktiv Drehleiern, Orchestrien und Kirchenorgeln her. Das Elztalmuseum in der Innenstadt widmet sich dieser Geschichte und zeigt historische Instrumente und Bauzeichnungen.
Hoch über Waldkirch thront die Burgruine Kastelburg aus dem 12. Jahrhundert - der Aufstieg dauert etwa 20 Minuten und lohnt sich für den Blick über das Elztal. Das Tal gilt als eine der reizvollsten Zugangsstrecken in den Schwarzwald und ist mit der Elztalbahn aus Freiburg in etwa 20 Minuten erreichbar.
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